Forschungsprojekt "Ethische Aspekte der kirchlichen Vermögensanlage in Gewerbeimmobilien"

Projektleitung: Prof. Dr. Stephan Goertz

Laufzeit: 2014-2017

Der Umgang der Kirche mit ihrem Vermögen stand in den letzten Jahren immer wieder im Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen. Die Kirche, die mit dem Anspruch auftritt, als ethische Instanz den Menschen auch bei wirtschaftlichen Fragen ins Gewissen reden zu können, steht unter verschärfter Beobachtung: Wie ethisch verhält sie sich, wenn es um ihre eigenen Finanzen und ihren Besitz geht? Dabei hat die Katholische Kirche selbst mit Blick auf das eigene wirtschaftliche Verhalten einige ethische Ansprüche formuliert – nicht nur in ihrer Sozialverkündigung, sondern z.B. auch im Codex Iuris Canonici, der kirchliche Vermögensverwalter u.a. in die Pflicht nimmt, ihr Amt „mit der Sorgfalt eines guten Hausvaters zu erfüllen“ (c. 1284 §1).

Über die Aachener Grundvermögen-Kapitalanlagegesellschaft mbH investieren u.a. Diözesen und Bischöfliche Stühle in Gewerbeimmobilien. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen hat die Aachener Grundvermögen bei der Professur für Moraltheologie (Prof. Dr. Stephan Goertz) und beim Oswald von Nell-Breuning Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt a.M. (Prof. Bernhard Emunds) ein Gutachten in Auftrag gegeben, in dem allgemeine moralische Kriterien und christlich-ethische Leitlinien für das Immobilieninvestment entwickelt und begründet werden sollen. Da die Aachener Grundvermögen vorwiegend in Gewerbeimmobilien in deutschen Innenstädten investiert, stehen dabei die Besonderheiten dieser Vermögensanlage im Vordergrund.

Die beiden Forschungseinrichtungen werden in diesem auf drei Jahre angelegten, am 1. Dezember 2014 begonnenen Verbundprojekt moraltheologische und sozialethischen Aspekte des Investments in Gewerbeimmobilien herausarbeiten. Zu den Aufgaben gehören eine kohärente Interpretation der einschlägigen kirchlichen Stellungnahmen, die Erarbeitung einer theologischen Sicht sowohl der Kirchenfinanzen als auch des Wirtschaftens kirchlicher Akteure in modernen Gesellschaften und die Formulierung von Kriterien, die auf moralischen Normen mit universalem Geltungsanspruch, auf breit akzeptierten Vorstellungen von einer guten Gesellschaft (z.B. einer lebenswerten Stadt) oder auf dem kirchlichen Selbstverständnis beruhen.